Achtsamkeit, Energie, Entspannung, Gesund arbeiten, Persönlichkeitsentwicklung

Der Kampf mit dem falschen Ehrgeiz

Mehr Geld. Mehr Verantwortung. Mehr Zeit. Mehr Prestige. Mehr, mehr, mehr. Mich treibt es an, aber es treibt mich auch um, dieses Wort „mehr“ und langsam, bereits mit 29 Jahren, fängt es an mich anzustrengen.

Unabhängig von der Schulbildung oder beruflichen Ausrichtung: wir alle bemühen uns, uns im Leben nicht zu verschlechtern. Die nächste Wohnung wird größer als die Letzte, der nächste Job besser bezahlt als der Vorherige und wir kaufen, wenn wir können, weniger bei H&M und C&A und mehr bei P&C und (jetzt fällt mir nichts mehr ein mit zwei Buchstaben) Levis. Der Lebensstandard steigt und es fällt uns häufig schwer zu verzichten. Abstriche machen wäre ein Eingeständnis, das wir uns nicht zu machen trauen. Auf einen Urlaub zu verzichten geht eigentlich auch nicht, denn wir haben das Gefühl, ihn wirklich zu brauchen und wenn schon, will man es ja auch schön haben.

Ich stecke gerade mitten in dieser Aufwärtsspirale. Vom Studium in den ersten Job, dort angekommen und um das Gehalt verhandelt, mir Kompetenz erarbeitet. Von einer Wohnung in noch eine (größere) und nun in noch eine (große) und bereits auf der Suche nach einem eigenen Haus. Ein Urlaub im Jahr, dann zwei, dann drei. Und mit jedem Schritt aufwärts beschleicht mich das Gefühl, mich festzufahren. Ich habe manchmal Angst, mein Job ist nicht sicher – das ist das eine. Die schlimmere Angst, die grausame und sich wie ein Parasit durch mich durchfressene Angst, ist die vor meiner eigenen Veränderung. Ich möchte mich gern verändern. Ich möchte zumindest die Freiheit haben, darüber sorgenfrei nachdenken zu können. Darüber, mal weniger zu haben, mal die Zelte abzubrechen, den Job zu wechseln oder meine Selbstständigkeit als Entspannungspädagogin auszubauen. Darüber einen Haufen Kinder zu bekommen und/oder für Tiere zu sorgen. Ich möchte frei darüber nachdenken können, mal weniger zu arbeiten wenn mein Leben es erfordert und mein Hobby, das Schreiben, auszubauen und einfach zu schauen, wo es mich hinführt. Doch ich kann nicht, habe ich das Gefühl und dieses Gefühl scheint vielen von uns nicht fremd zu sein. Ich kann nicht, weil ich Verpflichtungen habe und ich keinen Spielraum für „weniger“ sehe. Wenn etwas „weniger“ würde, hätte es das Siegel „mehr“ (und damit „besser“) nicht verdient und wie kann ich das mit meinem Leben vereinbaren?

Eine gute Bekannte von mir hat nach einem erfolreichen BWL-Studium und einem gut bezahlten Job in einem sozialen Kreditinsitut eine Kehrtwende gemacht und eine Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Sie hat dafür viel Verwunderung, Skepsis und Anerkennung geerntet und ist einen Weg gegangen, der sich mehr an dem orientiert, was sie sich für ihr Leben wünscht und weniger an dem, was das gesellschaftliche Verständnis eines lückenlosen Lebenslaufes ist.

Zu erkunden, was wir uns wünschen und womit wir unser Leben füllen möchten, hat viel mit Achtsamkeit zu tun. Achtsamkeit liegt ja sehr im Trend zur Zeit – als Entspannungstrainerin weiß ich, wovon ich rede – und doch verlangt es viel Mut, die durch Achtsamkeit gewonnenen Erkenntnisse in das eigen Leben zu integrieren. Um etwas zu verändern, müssen wir etwas loslassen und loslassen, wie schon im letzten Beitrag geschildert, ist hart. Und die Energie auftreiben aus Routinen auszubrechen… puh, das ist hart.

Ich begegne inzwischen aber immer häufiger Menschen, denen das gelungen ist und diese Menschen bewundere ich sehr. Diese Ideenträger und Irrwegegeher inspirieren andere. Wir brauchen sie, damit sie uns forttragen und versichern, dass es sich lohnt, selbst wenn es nicht schmeckt wie Butterkuchen. Jeder, der seine Hobbys, seine Überzeugungen und Leidenschaften sein Leben beeinflussen lässt, macht in meinen Augen etwas richtig. Wie seht ihr das?

Ich bin wie immer neugierig auf eure Kommentare und wünsche euch, dass auch ihr etwas habt, in dem ihr gut und mutig sein könnt! (Aber werdet nicht allesamt Entspannungstrainer! 😉  )

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4 Gedanken zu „Der Kampf mit dem falschen Ehrgeiz“

  1. Die Zeiten sind laut und schnelllebig. Klischee, ja, aber wahr. Gedanken wie diejenigen in Deinem Text bewegten mich dazu, mich stärker mit Intuition zu befassen, diese Weisheitsquelle anzuzapfen.

    Denn was Dich wirklich glücklich und zufrieden macht, das findest Du dort und es hat (wahrscheinlich) wenig mit der größeren Wohnung und dem besseren Gehalt zu tun.

    Vor einiger Zeit schrieb ich einen Artikel darüber, vielleicht gefällt er Dir ja: https://lionlogert.com/2018/10/21/deine-intuition/

    Wünsche noch einen schönen Abend! 🙂

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  2. Ich gebe dir Recht man hat oft Angst vor Veränderungen doch man muss sich immer die Frage stellen, ist das was man da gerade macht gesund und etwas das einen glücklich macht? Natürlich kann ich auch nicht von heute auf morgen alles hinschmeißen und Schaukeln gehen aber ich habe festgestellt minimal Eingriffe haben in dem letzten Jahr schon zu solchen Veränderungen positiver Art geführt, dass ich so langsam wieder mehr entspannen kann.

    Viele Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

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    1. Ich finde auch, dass das echt ein schweres Thema ist. Zumal wir uns häufiger dann doch weniger gut kennen als wir glauben und erstmal lernen müssen, uns selbst zuzuhören, wenn es darum geht was wir wollen. -> Das gilt vermutlich nicht mehr für dich, weil du auf deinem Blog das Tolle Fragen-an-mich-selbst-Projekt durchführst. 🙂
      Ich freue mich sehr, dass du so regelmäßig auf meinem Blog vorbeischaust und grüße dich ganz herzlich!

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