Achtsamkeit, Entspannung, Persönlichkeitsentwicklung

Circle of Competence

Worin bist du gut? Einfache Frage, mh? Worin bist du gut, was kannst du besser als andere? Die Antworten auf diese Frage ist der Kern einer Idee der Persönlichkeitsentwicklung, bzw. der aktuell überall anzutreffenden Ratgebermentalität auf dem Büchermarkt, in Blogs und Co. Diese Idee nennt sich „Circle of Competence“ (zu deutsch: Kreis deiner Kompetenz) und umfasst jene Dinge, die dich auszeichnen.

Ich bin über ein Hörbuch zum Thema Besser Leben auf diesen verdammten Circle gestoßen und habe mir bei der ehrlichen Beantwortung der Frage die Zähne ausgebissen. Darüber war ich ziemlich gestaunt. Hat nicht jeder das Gefühl, sich selbst recht gut zu kennen? Wie oft erzählen wir anderen was von dem, womit wir uns beschäftigen und beleuchten unsere vermeintlichen Stärken. Auf der Arbeit (meinem eigentlichen Hauptjob, der noch nichts mit Entspannungspädagogik zu tun hat) werde ich für meine Schnelligkeit geschätzt. Ich sehe das aber gar nicht unbedingt als charakterliche Stärke, schließlich bin ich lange nicht in allem schnell. Zum Beispiel habe ich in den letzten Wochen keinen Blogbeitra veröffentlicht und an meinem Romanentwurf arbeite ich seit Jahren.

…Was mich zu einem Punkt führt, den ich eigentlich gern in meinen Circle of Competence aufnehmen würde: das Schreiben. Ich liebe es! Es tut mir gut! Aber – und das gestehe ich euch Lesern gern – mein Blog kann sich nicht auf tausende Besucherzahlen berufen und meine weiteren Schreibversuche enden alle unvollendet. Nun gibt es verschiedene Ansätze mit solchen Tatsachen umzugehen: ich kann mich darauf berufen, dass mir das Schreiben so sehr gefällt, dass ich dort auch ambitionen habe und es daher ganz offensichtlich zu meinem Circle gehören muss. Denn wenn etwas nicht zum Circle gehört, sollte man – so die Philosophie dahinter – damit auch nicht zu viel Zeit verbringen. Die andere Sichtweise wäre: ich versuche es seit Jahren und es klappt nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Vielleicht ist dann die Wahrheit einfach, dass ich es lange nicht so gut kann wie ich dachte und ich damit nicht weiter meine Zeit verschwenden sollte. Gut, ich habe das Schreiben also ersteinmal beiseite geschoben und versucht, einen anderen Kompetenzpunkt an mir zu finden.

Ich kam ins Grübeln. Vielleicht lag das auch daran, dass ich eine harte Woche hatte und mein Fokus verschwommen war. Ich ertappe mich dann dabei, nicht allzu gnädig mit mir zu sein und auch zu Selbstmitleid zu neigen – eine wirklich total unnütze Sache, denn sie wirft einen nur zurück anstatt uns anzutreiben.

Ich dachte dann: zuhören. Ich bin doch ein Mensch, der gern mit anderen spricht, sie gern begleitet, unterstützt und lösungsorientierte Gespräche liebt, oder nicht? Ich kann doch sicher gut zuhören? Ja, sicher. Aber ich höre mich auch selbst gern reden (so offen darf ich zu euch sein, oder?) und hebelt das einander nicht aus? Mit welcher Berechtigung könnte ich behaupten, dass ich besonders gut darin wäre – das könnten doch höchstens Menschen beurteilen, denen ich mal zugehört habe. Wieder ein Punkt auf der Warteliste.

Weil ich mit reinen Gedankenspielen nicht weiterkam, habe ich mir ein Blatt Papier genommen, einen großen Kreis aufgemalt und in meiner hübschesten Schrift „Circle of Competence“ draufgeschrieben. Bevor ich mich versah, standen da plötzlich die Worte „Schreiben, zuhören & Verantwortung übernehmen“. Ich war stolz, dass ich meine Finger habe machen lassen ohne die Aufgabe noch einmal zu zerdenken. Nur ob das wirklich stimmt, ob ich nicht nur das aufgeschrieben habe, wie ich mich gern sehen würde, weiß ich immer noch nicht.

Mein Fazit für solche reflektierenden Aufgaben: probiert es aus und prüft mal, ob ihr auch zu den Menschen gehört, die dazu neigen, sich selbst anzulügen oder aber immer vermuten, dass sie sich selbst gerade angeflunkert haben. Zu welcher Kategorie ich gehöre, werde ich noch herausfinden. Fest steht, dass man immer wieder was über sich lernen kann.

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