Achtsamkeit, Gesund leben, Stress

Vergebung ist eine verdammt heilsame Sache

Wir halten uns gern an guten Erinnerungen fest. Wir durchleben sie wieder und wieder, sprechen darüber und lachen uns mit unserem Liebsten über unsere Missgeschicke kaputt. Doch die schlechten Erinnerungen und den Gram, den wir hegen, ziehen wir auch mit uns durchs Leben. Und er kann verdammt schwer werden.

Die meisten von uns würden sich selbst nicht als nachtragend bezeichnen, ist ja auch keine besonders gute Charaktereigenschaft. Andererseits habe auch ich – und ich denke schon von meinem hohen Ross aus einigermaßen versöhnlich veranlagt zu sein – Dinge, die ich mit mir herumtrage, die ich mir oder Menschen in meiner Umgebung nicht verzeihen kann. Es ist ein bohrendes, stechendes Gefühl. Es kommt immer wieder, gemeinsam mit der Erinnerung, und wie bei den guten, erlebe ich den Moment dann erneut. Er schubst mich in eine dunkle Ecke aus der ich mich mühsam herauskämpfen muss, das erfordert Kraft, die man ja bekanntlich nicht immer übrig hat. Und umso mehr dieser nicht-vergebenen Momente wir miteinander herumschleppen, desto mehr Raum lassen wir sie einnehmen.

Nicht immer haben wir die Einsicht, dass wir etwas ändern können oder dass uns unsere Einstellung zu diesem Festhalten an Zorn, Ärger und Unverzeihlichkeit dabei behindert, stark in die Zukunft zu gehen. Was mich angeht, so kratze ich grad an der Oberfläche, aber mit einigen Baustellen konnte ich schon Frieden schließen.

Überlegt einmal – was ist es, das ihr anderen vorwerft? Was ist es, dass ihr euch selbst nicht verzeihen könnt? Vielleicht sind es nicht mal große Dinge, sondern eher das ständige Schlecht-Über-Andere-Denken, z.B. im Büroalltag, wenn ihr einfach superschnell genervt von jemandem seid und ihr dieser Person dieses schlechte Gefühl geradezu hinterhertragt. Oder aber es ist diese eine große Sache, die euch verfolgt und die ihr in eurem Leben nicht aufgeräumt bekommt – ein Verrat durch einen Freund oder ein Betrug durch euren Partner. Diesen jemanden lassen wir dann in unserer Schuld stehen, wir üben sogar (un)bewusst Rache.

Und es ist so verdammt schwer, zu vergeben! Aber stellt euch vor, wir fänden die Stärke, - Confucius(1)diese bauchschmerzen-verursachende Erinnerung zu schwächen, ihr Macht zu nehmen und vielleicht sogar in den Hintergrund zu drängen!

Die Gabe des Verzeihens ist wirklich oft ein hartes Stück Arbeit. Für mich ist es häufig leichter, zu vergeben, wenn jemand mir geschadet hat, als wenn jemand meinen Liebsten etwas angetan hat, das ich ihm vorwerfen kann. So kam ich überhaupt auf die Idee dieses Beitrages – Menschen in meiner engsten Familie wurden von ihrer näheren Verwandschaft über Jahre hinweg um Vieles betrogen. Nur durch Zufall kam es heraus und alles, was sie dann zu bieten hatten, war ein bösartiger Kommentar statt einer Entschuldigung. Ich war innerlich am Austicken! Da halfen auch keine klugen Ratgeberbeiträge zu Entspannung und Co., da war alles verloren für kurze Zeit – ich war ja so sauer!

Interessant war, wie meine Verwandschaft damit umging. Der eine, aus Furcht vor zu viel Aufregung und Auswirkungen auf sein schlechtes Herz, verschob das Thema in eine tiefe Kiste mit der Aufschrift „Nicht öffnen, besser für alle“. Und die andere sprach zwar darüber, wich aber immer weiter in eine weiche, konfliktscheue Haltung zurück. Und erzürnt wie ich war, hielt ich diese Reaktion insgeheim für Schwäche. Erst jetzt, wo ich noch einmal in diese Sache hineingeriet, konnte ich erkennen, dass sie deutlich mehr Fortschritte dabei gemacht hatte das Ganze zu verdauen als ich. Sie hielt Kontakt zu den „Verrätern“, stattete ihnen bei Todesfall und Krankheit einen Besuch ab und thematisierte den Betrug ihnen gegenüber nie wieder.

Zugegeben, das wäre nicht mein Weg gewesen, aber schließlich beinhaltet „Vergebung“ keine Verpackungsbeilage.

Um mit etwas abzuschließen, muss ich es einmal thematisieren. Ich brauche das Gefühl, einmal deutlich gemacht zu haben, worum es mir geht. Einmal auf den Putz hauen, sozusagen, aber ohne was kaputt zu machen. Das ist immer mein erster Schritt um einen Konflikt beizulegen. Richtig schlecht wird es dann, wenn das aus irgendeinem Grund nicht geht – dann muss ich mir einen Plan B überlegen. Vielleicht habt ihr einen Tipp?

Übrigens gibt es viele Haltungen, Lehren und Überzeugungen, die uns dazu anhalten, zu verzeihen. Im Yoga, im Buddhismus, in der Achtsamkeitslehre und auch in den Weltreligionen finden sich wertvolle Richtlinien für das Verzeihen. Erstaunlich, wie schlecht die Menschheit darin ingesamt zu sein scheint, aber wie schön, wenn man sich Stück für Stück befreien kann.

Vielleicht hilft es auch zu wissen, dass viele Kränkungen doch eher aus Missverständnissen entstehen oder aus der Verletzung eines anderen.

Einen reizenden Einblick in die Lehre des Dao-Yogas zum Thema Verzeihen habe ich auf Mensch Vital gefunden. Kurz gefasst geht es um Kartoffeln. Ja, tatsächlich Kartoffeln! 😉

Der Schlüssel zur Vergebung …    …ist für mich ganz eindeutig Empathie. Kann ich die Motive des anderen verstehen (wenn ich sie auch nicht teilen kann), kann ich ihn verstehen. Ich kann mir vorstellen, warum er mich verletzt hat, ob mit Absicht oder nicht.

Vergebung ist eine verdammt heilsame Sache..png

Was meinen Familienfall angeht, so bin ich noch nicht ganz durch damit. Ich hänge noch an dem Punkt, wo ich mit grimmiger Genuugtung denke, dass schlechtes Karma sich schon rächen wird, diesen Gedanken aber eigentlich schon nicht mehr haben möchte. Also arbeite ich an mir und halte Gutes bereit, um mich abzulenken und auch um genug davon zu haben, dass ich es teilen kann. Sogar mit Menschen, die es eigentlich nicht verdient hätten. Und vielleicht sogar gerade mit denen, die brauchen es vielleicht umso mehr.

Bleibt entspannt, ihr Lieben!

 

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