Achtsamkeit, Entspannung, Gesund leben, Gesundheit, Stress

Resilienz – die Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen

Zauberwort „Resilienz“. Präsent in Pädagogik, Ratgebern, Management-Methoden, Coachingansätzen und Therapie – was steckt dahinter?

„Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.“ (Wustmann 2004)

 

Diese genannten Entwicklungsrisiken begegnen uns in jeder Lebensphase: Das Wegbrechen von Stabilität durch große Veränderungen, Krankheit, der Tod einer Bezugsperson, der Verlust von Job oder Wohnung, Streit, Stress, emotionale Verletzungen.

Der Begriff, der in seinem Wortlaut aus dem Englischen kommt und so viel wie Spannkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität bedeutet, wurde in der Handhabung im deutschsprachigen Raum zu Beginn vor allem auf Kinder bezogen.

Heute wird anerkannt, dass Resilienz ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess ist, der sich unser Leben lang gestaltet und gestalten lässt. Aus Sicht der Organisationsentwicklung sind auch Unternehmen und komplexe Systeme darunter zu betrachten.

Unter den verschiedenen Ansätzen finde ich es sinnvoll, Resilienz als eine Kompetenz zu verstehen, die sich aus verschiedenen Einzelfähigkeiten zusammensetzt, die uns nicht nur Krisen sondern auch normale Entwicklungsschritte bewältigen lässt. Bedeutet im Umkehrschluss auch, dass jede bewältigte Herausforderung, jede Entwicklung, die wir erfolgreich durchleben, unsere Resilienz stärken kann. Auch wenn die Resilienzforschung sehr ressourcenorientiert (nicht problemorientiert) arbeitet, gehören auch negative Gefühle und Aktionen wie Traurigkeit, Weinen, Schreien zu den Bewältigungsmechanismen, die uns dabei helfen, schwierige Situationen zu meistern.

Bin ich resilient?

Tja, keine Ahnung! Vermutlich gab es spätestens bei dem zweiten Satz dieses Blogeintrages ein Bauchgefühl dazu, oder? Das Gefühl von sich selbst zu wissen, dass man alles schaffen kann, deutet auf ein Ja hin – und/oder auf sehr viel Selbstvertrauen. Wenn Sie einen Gedanken an ein schlimmes Erlebnis fassen, an das Gefühl der damit verbundenen Überforderung, können Sie dann von sich sagen, die Krise überwunden zu haben? Häufig fühlt man sich im Anschluss stärker als vorher, leider nicht immer.

Resilienz ist keine Charaktereigenschaft. Sie ist ist eine situationale und sich ständig wandelnde Kompetenz. In einer Situation ist sie stark, in einer anderen nicht. Sie bietet keine Messlatte, sollte kein Maßstab sein, ist ein eher zartes Gut. Möchte ich Resilienz so betrachten, wirken die Aufrufe von Unternehmensberatungen, die Resilienz von Angestellten aufgrund der damit verbesserten Arbeitskraft zu stärken, manchmal etwas zynisch auf mich. Selbstverständlich gilt, wie es auch in so vielen anderen Bereichen ist, dass ein gesunder und zufriedener Mitarbeiter durchschnittlich (aber messbar!) bessere Arbeit leistet. Und natürlich ist es ein guter Schritt, wenn Unternehmen die physische und insbesondere die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern wollen. Wenn ein Begriff wie Resilienz allerdings, der so tief in das eindringt, was wir als persönliche Stärke auffassen, betriebswirtschaftlich auf Erfolg durchleuchtet und als effizienzsteigernde Zielgerade angesteuert wird, kann man sich mit der Richtung dieser Beiträge ruhig kritisch auseinander setzen.

Interessant ist ja – und das ist mir insbesondere beim Schreiben dieses Blogbeitrags aufgefallen – wo man die Grenzen der eigenen Empfindlichkeit legt, wenn es um die unternehmerische Betrachtung von Gesundheitsbegriffen geht. Letztlich ziele ich als angehende Entspannungspädagogin auch darauf ab, selbige Themen zur Grundlage eines unternehmerischen Erfolgs zu machen. So schnell finden sich die zweite Seite der Medaille. Bleibt mir nur zu hoffen, dass ich gegenüber Selbstkritik und Selbstzweifeln resilient genug sein werde, um diese reflektiert zu verarbeiten und meine eigene Position dadurch zu stärken. Und wer weiß, wer richtig gut darin ist, ebnet sich so vielleicht den Weg dazu, vollkommen entspannt durchs Leben zu gehen.

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