Achtsamkeit, Pädagogik, Stress

Die Sache mit der Lernerei. (Und dann ist da noch die Motivation.)

Was habe ich eigentlich gelernt? Was habe ich behalten? Motiviert mich der Lernstoff? Komme ich hinterher oder hänge ich eher? Das sind Fragen, die man sich ruhig mal stellen kann nach einem Monat Selbsterfahrung. Egal, ob es eine Berufsausbildung, ein Studium, eine Fortbildung oder ein Selbststudium ist – wir sind mit einem Ziel vor Augen gestartet. Sehen wir dieses Ziel noch?

Die Wahrheit ist ja: die Motivation hat oft ihren eigenen Kopf. Manchmal steht sie erst gar nicht mit uns auf, manchmal bleibt sie einfach weg ohne uns Bescheid zu sagen und ab und an beflügelt sie uns. Die Unterscheidung zwischen intrinsischer (von uns selbst ausgehende) und extrinsischer (von außen iniziierte) Motivation birgt dann gleich den nächsten Stolperstein: bin tatsächlich ICH motiviert oder wurde uns vielleicht einfach erfolgreich vermittelt, dass wir doch bitte etwas lernen sollen? Nicht so leicht und nicht selten spielt beides zusammen.

Jeder, der auf eigene Entscheidung hin, noch einmal „die Schulbank drückt“ in der ein oder anderen Form, will sich und/oder sein Leben weiterentwickeln, und das verlangt Respekt. Sich zu wünschen, mehr zu wissen, ist etwas Gutes! Und darauf hin zu arbeiten, ist sogar richtig toll – und genau das darf man sich dann auch selbst mal sagen. „Hey, du kannst stolz auf dich sein“ sind Worte, die uns gut tun, wenn wir sie von anderen hören. Sie uns selbst zu sagen, wirkt eigenartig. Ich fordere hiermit auf, sich selbst mehr zu loben!

Auch ich habe mich heute gelobt, wenn auch etwas verhalten. Vor etwa einem Monat habe ich die Ausbildung neben dem Beruf zur Entspannungspädagogin begonnen. Von den zwei Studienheften, die ich zu heute beide hätte selbstständig durchgehen müssen, habe ich nur eins geschafft. Mich interessieren die Inhalte aber glücklicherweise weiterhin, also sehe ich kein grundlegendes Motivationsproblem herannahen. Was aber, wenn doch mal eins kommt? Was, wenn ich weiß, wie wichtig etwas für mich wäre – eine Ausbildung zu beenden, für die ich Geld bezahlt habe, ein Studium zu Ende zu kriegen, das mir aber einfach keinen (so wirklich gar keinen) Spaß macht oder eine Sprache zu lernen, von der ich selbst immer dachte, dass ich sie unbedingt lernen wollte und sich das jetzt als Unschaffbar entpuppt? Oder auch: Was, wenn ich feststelle, in etwas einfach nicht gut zu sein?

Das ist der Zeitpunkt, an dem man sich – meine Meinung nach – eine einzige Frage stellen muss: Geht es mir besser, wenn ich am Ball bleibe oder wird es mir besser gehen, wenn ich mich umentscheide? Es ist keine Schande, etwas nicht zu Ende zu bringen, solange man seine Perspektiven nicht verliert. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man sich geirrt hat mit dem was man wollte. Auch nicht, wenn irgendeine Aufgabe mal unseren Horizont zu weit überschritten hat. (Schließlich kann man seine Stärken nicht überall haben!)

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Wir Deutschen gehen leider mit Misserfolgen nicht sehr entspannt um. Geht ein selbstständiger Tiefbauer einmal Pleite, ist er zwanzig Jahre später immer noch ein Pleitegeier. Die Amerikaner hingegen haben eine eigene Veranstaltung entwickelt, auf der – ähnlich wie ein Poetry Slam mit Thema – gescheiterte Gründe gnadenlos ehrlich, lustig und tragisch, über ihren Griff ins Klo reimen, dichten und erzählen, und dafür kriegen sie Applaus!

Ich habe also Glück und kann nach einem Monat sagen, dass ich zwar nicht so fleißig bin, wie ich es gern wäre, aber trotzdem zufrieden mit mir bin. Immerhin arbeite ich, führe einen Blog, habe ein Hobby, eine tolle Partnerschaft und einen tollen Freundeskreis. Erscheint einem manchmal selbstverständlich, aber – und das sage ich ganz öffentlich in der Hoffnung, dass ihr es mir nachmacht – das mache ich gut.

Und nun setzt euch entspannt an den Schreibtisch oder geht einfach entspannt aufs Sofa – was immer euch gut tut!

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