Achtsamkeit, Allgemein, Entspannung, Gesundheit, Richtig entspannen, Stress

Autogenes Training – was war das noch so genau?

„Autogenes Training“ hat weder etwas mit Autos zu tun, noch sonderlich viel mit der heutigen Bedeutung des Worts „Training“, nämlich Sport. Autogenes Training ist eine Entspannungsmethode und gehört – zumindest in seiner Grundstufe, ohne therapeutische Ansätze – zu meinem Ausbildungsportfolio als Entspannungspädagogin. Die Bezeichnung geläufig, Sinn und Zweck den meisten klar… und dann weiß man aber in der Regel doch nicht, was es damit genau auf sich hat.

Autogenes Training hat keine klaren Wurzeln in traditioneller Medizin oder Religionslehre, wie es viele Konzepte asiatischer und indischer Entspannungsmethoden haben, sondern ist letzlich eine deutsche Erfindung aus dem 20. Jahrhundert vom Berliner Nervenarzt J.H. Schultz. Er führte Hypnosesitzungen durch und beobachtete, dass viele seiner Probanden nach einiger Übung dazu in der Lage waren, sich selbst in einen hypnotischen Zustand zu versetzen. Diese Erkenntnis ist der Grundstein des Autogenen Trainings – so bedeutet „autogen“ aus dem Griechischen „aus sich selbst heraus entstanden“. Es handelt sich also dabei um ein vom eigenen Selbst her entstehendes und das eigene Selbst gestaltende, systematisches Übungsverfahren.

Und die Praxis?

In der Praxis sitzt oder liegt man in bestimmter Position und wird im Laufe der ersten Sitzungen von mir oder einem meiner zukünftigen Kollegen zu sechs Übungen instruiert. Die einfachen, kurzen Sätze, die zu jeder Übung gehören, sollen dem Entspannenden helfen, die Empfindungen in sich selbst hervorzurufen.

Die erste Übung zielt auf ein Gefühl der Schwere in den Extremitäten und hilft, durch einen Muskeltonusverlust Verspannungen entgegenzuwirken. Der Körper passt sich dem ruhigeren Setting an, die Atmung verlangsamt sich, die Herzrate nimmt ab. Die „Wärme-Übung“ ist die zweite Übung, in der sich ein Wärmegefühl einstellen kann, vor allem in den Extremitäten. Das Gefühl kann entstehen, wenn sich eine periphäre Gefäßerweiterung ergibt, es fließt mehr Blut in die Peripherie.

Im dritten Schritt geht es ums Herz. Diese Übung soll die psychophysiologischen Effekte der ersten beiden Übungen verstärken, ist aber nicht ganz ohne. Laut Fachliteratur und Studien kommt es häufig vor, dass die Klienten Schwierigkeiten haben, ihren Herzschlag zu verfolgen und ggf. die Konzentration darauf wieder Unruhe mit sich bringen kann. Die vierte, die Atem-Übung, ist ebenfalls eine Rhythmus-Übung und zielt auf eine Veränderung der Atemmuster. Eine Verlagerung von Brust- zu Bauchatmung und das Einpendeln auf eine fließende, eher flache Atmung mit relativ langen Pausen zwischen Inspiration (Einatmung) und Exspiration (Ausatmung) lassen Entspannung entstehen.
Die fünfte Übung nennt sich „Sonnengeflechts-Übung“ – es ließe sich auch „Bauch- oder Leibübung“ sagen, das ziemte sich allerdings im sittlichen Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts nicht und so wich man auf „das Sonnengeflecht“ aus, gleichbedeutend mit dem Solarplexus, ein Nervengeflecht in der Mitte des Körpers. Hier sind Wirkungsweisen nicht klar von Empirie und Forschung belegt, man beobachtete aber u.a. eine zunahme der Darmtätigkeit. Zu guter Letzt: die Stirnkühle-Übung. Anders als die anderen Übungen zielt man hier nicht auf ein entspannendes Wärme-Empfinden, sondern eher auf die Vorstellung eines „kühlen Kopfes“.

Für den Leiter der Sitzung gibt es vorher und nachher auch noch einiges zu beachten, so viel aber dazu.

Ich habe mich noch vor Beginn meiner Ausbildung gefragt, wie es mit der Relevanz des Autogenen Trainings aussieht. Nicht selten sind Themen wie Entspannung, Achtsamkeit, Yoga von gewissen Modetrends durchsetzt. Trend hin oder her: das Autogene Training ist in vielen seiner psychologischen und physiologischen Effekte von der Forschung bestätigt worden und hat eine inzwischen langanhaltende Tradition im medizinisch-klinischen Bereich. Auch im nicht-klinischen Bereich hat es sich als stresspräventive Methode, die bei Verspannungen, Nervosität, Konzentrationschwierigkeiten, Schlafstörungen und Angstzuständen hilft, bewährt. Die Krankenkassen übernehmen bei von ihnen authentifizierten Prävantionskursen bis zu 80% der Kosten der Teilnahme.

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Ziel der Übungen ist übrigens NICHT das Einschlafen, sondern ein Zustand zwischen Wach und Schlaf – aber hey, alles besser als nichts!

In diesem Sinne, bleibt entspannt!

Ein Gedanke zu „Autogenes Training – was war das noch so genau?“

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